Ich habe es gerade wieder in einem Gespräch mit Angehörigen erlebt, da meinte die Tochter des Verstorbenen, sie müsse sich entschuldigen. Warum? Sie musste weinen, weinen über den schweren Verlust, weil ihr Vater ihr Lieblingsmensch gewesen ist und das über den Tod hinaus bleiben wird. Es ist Wahnsinn, wie lange uns manche Verluste begleiten. Gerade eins der Elternteile spielt oft eine herausragende Rolle im eigenen Leben. Und diese nahestehende Person für immer zu verabschieden zu müssen, kann schiere Verzweiflung auslösen.

Ich höre nicht auf damit, die Menschen dazu zu ermuntern, ihre Gefühle zu zeigen, ihre Emotionen nach außen zu tragen. Denn das ist der einzige Weg, um einen schweren Verlust psychisch gesund zu überstehen. Viele nutzen dafür ihre Tränen, die ihnen in Zeiten der Trauer reichlich zur Verfügung stehen. Es gibt daneben auch andere Ventile für traurige Gefühle, aber Tränen stehen auf dieser Liste ganz oben.

Rund 60 Prozent aller Depressionen sind auf unverarbeitete Trauer zurückzuführen. Diese Zahl sollte ins Nachdenken bringen. Mich zumindest lehrt sie, meinen Tränen freien Lauf zu lassen, wenn es nötig ist, und auch die Menschen, für die oder mit denen ich arbeite, dabei zu unterstützen, in ihren Tränen eine wertvolle Gefühlsäußerung zu sehen und nicht zu glauben, sich dafür entschuldigen zu müssen.

Oder wie denkst du darüber?

Ich wünsche dir von Herzen eine im guten Sinne tränenreiche Woche von Mittwoch zu Mittwoch,deine Katharina

Zitat der Woche: „Die Träne ist die Sprache der Seele und die Stimme des Gefühls.“ (Filippo Pananti)