Seit ich trauernde Menschen begleite, kenne ich zwei Extreme, sich das Zuhause, das man sich mit der verstorbenen Person teilte, einzurichten. Die einen halten möglichst lange an allem fest, was war, und möchten auf keinen Fall auch nur das kleinste Detail verändern. Die Möbel bleiben unangetastet, der Kleiderschrank sowieso und selbst die Schuhe unter der Garderobe behalten über Jahre ihren Platz, als wäre nichts geschehen.

Das andere Extrem bringt mit sich, sofort alles, was an die geliebte Person erinnert, aus dem näheren Umkreis zu verbannen. Es wird geräumt und bewegt und ausgemistet und umdekoriert, bis äußerlich nicht mehr zu erkennen ist, dass hier vor kurzem noch ein Mensch lebte, der dieses Zuhause mit Leben und Liebe füllte.

Keine der beiden Extreme lässt ein gesundes Trauern zu. Während die einen teils jahrzehntelang (ich übertreibe nicht!) den Zustand, der längst nicht mehr ist, einzufrieren versuchen und sich damit die Trauer über den schweren Verlust verbieten, geben sich die anderen alle Mühe, sämtliche Erinnerungsstücke zu verbannen, um ja nichts Schmerzhaftes in ihrem Inneren zu berühren. Aber Trauer tut weh, sie muss die Seele erreichen, damit der Schmerz heilen kann.

Ich rate trauernden Menschen, weder in das eine noch in das andere Extrem zu verfallen, sondern sich in ihrem Zuhause einen Ort zu schaffen, an dem die Erinnerungen sich konzentrieren dürfen. Ich nenne diesen Ort den „Ort der Trauer“. Hier finden Fotos, Konzerttickets, Kerzen, Engel oder was auch immer die betroffenen Personen mit ihren verstorbenen Liebsten verbindet, ihren Platz. So bleiben die Erinnerungen erhalten und werden weder eingefroren, so dass sie keinen Platz mehr für das eigene Leben bieten, noch werden sie eliminiert, ohne dass nur ein Hauch von Erinnerung bleiben darf.

Hast du Erfahrungen mit so einem Ort der Trauer in deinem eigenen Zuhause? Dann schick mir gerne Fotos oder deine Anregungen per Mail. Ich bin dankbar jede diesbezügliche Inspiration, die nicht nur dir, sondern auch anderen weiterhelfen könnte.

Ich wünsche dir von Herzen eine trauergestärkte Woche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Was du wirklich liebst, das bleibt dir.“ (Novalis)