Welten liegen zwischen meiner letzten Mittwochs-Mail und dieser. Ein Land, Europa, ja die ganze Welt ist erschüttert durch das, was gerade geschieht. Schockiert, fassungslos, sprachlos stehen Menschen da, die bis vor einer Woche noch daran geglaubt haben, dass es möglich sei, Frieden und Freiheit zu erhalten, auch wenn sie stets aufs Neue errungen werden müssen. Ich für meinen Teil wollte zumindest fest darauf vertrauen. Wie so viele musste auch ich erkennen, wie verletzlich wir, in welchem politischen System auch immer, nach wie vor sind.

Überall auf der ganzen Welt hoffen Menschen, sterben Menschen, versuchen Menschen, ihr je eigenes Leben zu leben. Wer sich je ernsthaft darum bemüht hat, der kennt auch die eigenen dunklen Seiten. Ich für meinen Teil bin keinesfalls immer fröhlich, munter und ausgeglichen. Ich bin nicht immer unerschütterlich optimistisch. Und ich tue bei Weitem nicht immer nur das, was besser wäre zu tun, menschlicher, friedlicher, liebevoller. Ich habe meine eigenen dunklen Seiten. Jede und jeder von uns hat sie.

Nur haben wir die Fähigkeit, uns zu entscheiden. Jeden Tag neu, jede Stunde neu, ja jede Minute neu haben wir die Fähigkeit, uns zu entscheiden, auf welcher Seite wir stehen wollen. Welchen Anteilen in mir gebe ich die Macht, über mein Leben und das Leben der Menschen in meinem Umfeld zu bestimmen? Ist es die Furcht oder ist es der Mut, ist es der Zerstörungswillen oder ist es der Wille zu bewahren, ist es der Hass oder ist es die Liebe?

Wir alle tragen alle Anteile in uns und wir haben in jedem Moment die Möglichkeit, uns zu entscheiden.

Ich sehe die westliche Welt, die zusammensteht. Ich spüre die Welle der Hilfsbereitschaft, die sich allerorten zeigt. Ich spüre die Kraft des Friedens in all dem Wahnsinn. Und weiß, auf dieser Seite will ich stehen. Aus eigener Entscheidung. Mit jeder Faser meines Seins.

Hoffnungsschimmer im Weltgewitter, Frühlingszeichen.

Ich wünsche dir von Herzen eine friedensstarke Woche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt, das unentrinnbar und weise von allen ihn trennt.“ (Hermann Hesse)