Es ist ein merkwürdiger Advent in diesem Jahr. Schon wieder. Gespickt mit einer Mischung aus Aufregung, wie die gesellschaftliche Lage sich entwickeln wird, und gleichzeitigem Herunterfahren der Kontakte, soweit es uns möglich ist. Die Situation verlangt uns vieles ab, sehr viel von etwas, was noch vor zwei Jahren in unserem zivilisierten und entwickelten Land undenkbar schien.

Ich sehe es so, dass in dieser Zeit das Beste und das Schlechteste der Menschen zugleich zum Vorschein kommt. Manche zeigen Seiten von sich, die vorher nicht zu ahnen waren. Abgründe des Denkens und Handelns tun sich auf. Meinungen werden kundgetan, die mich zuweilen an der Menschlichkeit des Menschen zweifeln lassen. Scheuklappen gegen die Nöte dieser Welt, Hass auf alles, was nicht Ich heißt. Auch das macht die Pandemie sichtbar.

Aber sie zeigt auch diejenigen, die ohne viel Umschweife helfen, für die praktizierte Nächstenliebe kein Fremdwort ist. Beruflich und privat beweisen Frauen, Männer und Kinder in diesem Land, dass sie ein Herz besitzen und in ausnahmslos allen Lebenslagen bereit sind, über sich hinauszuwachsen, zusammenzuhalten und ihren Teil zum Erhalt der Gemeinschaft beizutragen. Diese Menschen sind es, die mich unerschütterlich an der Hoffnung festhalten lassen, dass mein Leben ein lebenswertes und liebenswertes ist, egal was gerade im Außen passiert.

Advent ist eine Zeit der Besinnung. Ich habe beschlossen, mich in diesem Advent darauf zu besinnen, dass

  • …ich zwar gerade einige Einschränkungen in Kauf nehmen muss, aber ich ein Dach über dem Kopf habe, genug zu essen und zu trinken, jede Nacht ein Bett für mich bereitsteht und meine Heizung läuft.
  • …ich mich zwar schon von Menschen verabschieden musste, deren Tod mir schier das Herz zerrissen hat, aber ich dennoch dankbar bin für das Leben, das mir geblieben ist, und all die Lieben, die weiterhin zu mir gehören, im Himmel und auf der Erde,
  • …ich zwar aktuell nicht so viele Möglichkeiten habe wie sonst, mir aber trotzdem genügend Wege offenstehen, in meinem näheren Umfeld meinen eigenen Beitrag zu leisten für ein menschliches Miteinander.

Es ist ein merkwürdiger Advent in diesem Jahr. Schon wieder. Und schon wieder eine Fülle von Gelegenheiten, Licht zu verschenken. An jedem Tag neu.

Ich wünsche dir von Herzen eine lichtvolle Adventswoche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Der Gedanke an den Tod ist immer heilsam, er tötet nicht, wie man annehmen möchte, er weckt.“ (Jakob Bosshart)