Was einmal angefangen hat, das wird zu Ende gehen. So simpel diese Aussage ist, so wahr ist sie gleichzeitig. Es gibt keinen Anfang ohne ein Ende, keinen Sonnenaufgang ohne Sonnenuntergang, keine Geburt ohne Tod. Und so traurig diese Tatsache zuweilen ist, so heilsam ist sie, ein Segen sogar. Denn frag‘ dich mal, was denn wäre, wenn du niemals sterben würdest. Ich für meinen Teil würde es nicht wollen. Nicht umsonst gibt es das Wort „lebensmüde“.  Des Lebens müde werden. Das geschieht irgendwann, wenn sich immer mehr von dem immer Gleichen ereignet. Von Lieben und Hassen, von Krieg und Frieden. Geschichte vollzieht sich in Wellen und unsere eigene mit ihr. Wir sind ein Teil davon. Ein winziger Teil vom großen Ganzen.

Wenn wir geboren werden, dann sterben wir. Und wenn wir sterben, hinterlassen wir Menschen, die traurig sind über diesen Abschied. Diese Menschen stehen im Fokus meiner Aufmerksamkeit, während ich über die verstorbene Person rede. Gewürdigt werden soll der Mensch, der gestorben ist, sein Leben und sein Wesen sollen aufleuchten am Tag des Abschieds, aber sprechen tue ich für die, die zurückbleiben – damit sie mithilfe eines Rituals den Abschied besser vollziehen können und sie in all der Traurigkeit ein Quäntchen Trost finden. „Trauer trifft Trost“, nicht zufällig ist dies das Motto meiner Arbeit, sehe ich doch im Trösten einen wesentlichen Faktor des Abschiedsnehmens. Einen Trost, der tiefenwirksam ist und über Jahre trägt.

Mit den Jahren sind sage und schreibe mehr als 1000 Trauerreden zusammengekommen, die ich die Ehre hatte, halten zu dürfen. 1000 Todesfälle, 1000 Einzelschicksale und 1000 Persönlichkeiten, deren Einzigartigkeit es wert war, über sie zu sprechen. In all ihrer Besonderheit. Mit Liebenswürdigkeiten und einigen Ecken und Kanten, so wie jede und jeder von uns sie hat. Ich halte nichts davon, im Nachhinein Vanillesauce über ein Leben zu gießen. Ich kann wertschätzend über jemanden sprechen und trotzdem einige Dinge anklingen lassen, die schwierig an der Person waren. Es ist immer die Frage, wie das geschieht. Ob konfrontierend oder eingebettet in ein Nest von Menschlichkeit. Ich bediene mich des Nestes, damit in Tod und Abschied die Würde einer Person gewahrt bleibt. Mit den Ecken und Kanten. Denn sie gehören zu uns als Menschen dazu. Wir brauchen sie nicht zu verstecken. Sie machen uns als Personen aus.

All die Erfahrungen, die ich bei meinen Trauereden machen durfte, fließen nun in ein Projekt, das ich gerade frisch gestartet habe. Und zwar bin ich dabei, eine Ausbildung für Trauerrednerinnen zu entwickeln. Es wird voraussichtlich etwa ein halbes Jahr dauern, bis ich so weit bin, diese Ausbildung anbieten zu können. Sie wird zum großen Teil online stattfinden, ist also ortsunabhängig. Wenn du selbst Interesse daran hast oder dir eine Freundin einfällt, für die das interessant sein könnte, dann melde dich gerne bei mir oder sage es weiter. Ich baue mir eine Warteliste auf und informiere die Wartenden regelmäßig über den Stand der Dinge.

Ich liebe meine Arbeit, aber auch ich lebe nicht ewig, deshalb ist es mir so wichtig, meine Erfahrungen und mein Know How an Interessierte weiterzugeben, die wir ich für wundervolle Abschiede brennen.

Ich wünsche dir von Herzen eine kraftvolle Frühlingswoche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Das Schöne zieht einen Teil seines Zaubers aus der Vergänglichkeit.“ (Hermann Hesse)