In diesen Tagen vollzieht sich der Übergang vom Sommer in den Herbst, genau genommen ist heute der Tag, an dem der Herbst beginnt, weil die Tag-und-Nacht-Gleiche erreicht ist, das sogenannte Herbstäquinoktium. Von nun an werden bis zum Beginn des Frühlings im März die Nächte länger sein als die Tage. Es gibt Menschen, denen lastet dieser Umstand auf der Seele.

Der September entfaltet seinen ganz eigenen Zauber. Er trägt die Fülle des Sommers in sich und birgt die Früchte der bevorstehenden Herbsternte. Er ist satt von Sonne und gezeichnet vom bevorstehenden Abschied. So wie eine Träne der Wehmut über ein lächelndes Gesicht rollt. Und doch ist noch so viel da. So viel Gold, so viel Reichtum und so viel Grund für Dankbarkeit. Ich hoffe du weißt, welches Gold und welche Art von Reichtum ich meine?!

Ich habe in den letzten Tagen mal wieder in den Gedichten gestöbert, die ich mit den Jahren gesammelt habe. Darunter ein Septembergedicht, schon alt, aber nicht zu alt, denn es enthält beides: die Fülle und die Wehmut, einen Hauch von Abschied in all der scheidenden Sommerpracht.

Magst du es hören? Ich spreche es hier für dich.

Und hier der Text:

September

Der Dornbusch prangt im Schmuck der roten Beeren, 
Die Dahlien in ihrer bunten Pracht, 
Und Sonnenblumen mit den Strahlenspeeren 
Stehn stolz wie goldne Ritter auf der Wacht.

Die Wespe nascht um gelbe Butterbirnen, 
Die Äpfel leuchten rot im Laub und glühn 
Den Wangen gleich der muntren Bauerndirnen, 
Die sich im Klee mit ihren Sicheln mühn.

Noch hauchen Rosen ihre süßen Düfte, 
Und freuen Falter sich im Sonnenschein, 
Und schießen Schwalben durch die lauen Lüfte, 
Als könnt des Sommerspiels kein Ende sein.

Nur ab und an, kaum dass der Wind die Äste 
Des Baumes rührt, löst leise sich ein Blatt, 
Wie sich ein stiller Gast vom späten Feste 
Heimlich nach Hause stiehlt, müde und satt.

Gustav Falke (1853-1916)

Was bedeutet dir der September? Welche Fülle, welche Wehmut wohnen für dich in ihm?

Ich wünsche dir eine sommersatte Woche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Vergangen nicht, verwandelt ist, was war.“ (Rainer Maria Rilke)