Ich schreibe dir heute mitten aus dem Umzug heraus, den meine Familie und ich gerade dabei sind zu vollziehen. Vielmehr mein Mann, unsere jüngste Tochter und ich. Sie ist die einzige von unseren Kindern, die noch bei uns wohnt. Von einem Haus ins andere. Wohnen und Arbeiten zusammenlegen. Viel Platz. Ein großes Grundstück. Die Perspektive ist schön, aber die Umsetzung kostet immens viel Arbeit. Wenn du je umgezogen bist, wirst du wissen, was es bedeutet, auch noch das kleinste Teil von einer Hand in die andere zu nehmen und dich zu fragen, ob du es noch brauchst oder ob es weg kann. Und wenn weg, dann wohin weg. Ich bin sehr angestrengt deswegen und froh, wenn mein Leben mal wieder aus mehr Genießen als aus stetigem Räumen und dazwischen ein bisschen Arbeit gequetscht besteht.

Ich denke manchmal, dass das Sterben auch nichts anderes ist als ein Umzug. Ein Umzug in eine andere Welt, von der wir nur nicht wissen, was uns erwartet. Menschen, die Nahtoderfahrungen gemacht haben, erzählen von schönen Erlebnissen im Zusammenhang mit ihrem Fasttod, von ihrem Leben, das wie in einem Film an ihnen vorbei lief, von Licht, das sie gesehen haben. Wir haben viele Ängste vor dem Tod und jede Menge Vorstellungen davon, wie es sein könnte, wenn… Und dass es doch schwer sein müsse zu gehen.

Ja, oft ist es schwer zu sterben. Traurig allemal. Aber ich kenne eine Reihe von Menschen, und zwar gleich welchen Alters, die schließlich – zweifelsohne oft nach einem langen Weg dorthin – gerne gestorben sind. Umzug in eine neue Welt. Mit ungewissem Ziel, aber doch voller Zuversicht, dass es ein Wechsel hin zum Besseren werden könnte.

Ich habe zum Thema Umzug einen netten kleinen Auszug aus einem Werk von Friedrich Theodor von Vischer gefunden, einem deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts: „Es ist auch deswegen in Ordnung, dass der Mensch endlich stirbt, er soll sich schon deswegen gern darein fügen, weil sich mit der Zeit gar zu viel Sach um ihn ansammelt. Man erfährt das beim Umzug. Nicht nur Bücher, – Briefe, Blätter, Blättchen, Zeitungsnummern, Büchsen, Schachteln, Salben, Pulver, tausend Geräte… Mach, geh fort, nimm Abschied auf einmal von all dem Quark!“

Ganz so weit hat mich unser Umzug nun doch noch nicht gebracht, dass ich mich verabschieden wollen würde „von all dem Quark“. Zum Glück! Mit einem Augenzwinkern verabschiede ich mich von dir. Mitten aus dem Umzug heraus, der, noch, ein Umzug von Welt zu Welt ist, und mache mich wieder ans Werk…

Ich wünsche dir von Herzen eine zuhausegefühlige Adventswoche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause.“ (Novalis)