Verdorrte Rasenflächen, Rhododendrenblätter, die sich einrollen vor Durst, Mais, der mehr braun als grün gen Himmel weist. Das alles kennen wir aus diesem trockenen Sommer, der sich im wahrsten Sinne des Wortes von seiner Sonnenseite zeigte. Dort, wo ich wohne, im Bremer Raum, ist im Verlaufe der vergangenen Woche ein bisschen Regen gefallen, aber bei Weitem nicht genug, damit die Natur sich erholen kann.

Die Bäume beginnen, vorzeitig ihre Blätter abzuwerfen. In den Gärten lohnt es sich bereits zu harken und auf den Waldwegen raschelt das frische Laub unter den Füßen. Nicht alles im Leben läuft nach Plan.

Kreislauf der Natur

Die Natur nimmt auch die zu früh vertrockneten Blätter in ihren Kreislauf auf. Aus der Laubschicht am Boden wird fruchtbarer Humus, aus dem neues Leben entsteht. Nach einer Zeit des Übergangs sind die frischen Triebe zu sehen, die davon zeugen.

Warum schreibe ich darüber? Weil auch aus deinem Leben, das nicht nach Plan verlaufen ist, etwas Neues entstehen kann, etwas, was sich lebendig anfühlt und richtig.

Engagement in Sachen Trauer

Überall, wo Menschen mit den Themen Abschied, Sterben und Tod in Berührung kommen, engagieren sich andere beruflich oder ehrenamtlich. Sie tragen ihren Teil dazu bei, den Abschied und die Gefühle, die in dem Zusammenhang entstehen, besser zu verkraften. Viele von ihnen haben selbst traurige Verluste erlebt und können ihre Arbeit deshalb um so besser tun. Sie wissen, wie sich das anfühlt, wenn ein Mensch stirbt, aus dem Leben verschwindet und eine große Lücke hinterlässt.

Bei mir war das übrigens nicht anders. Die Hauptinspiration für meine Arbeit als Trauerrednerin beziehe ich nicht aus den 20 Jahren, die ich als Pastorin für die Kirche tätig war, und nicht aus den 10 Jahren, die ich bereits als Rednerin Erfahrungen sammeln durfte, sondern daraus, dass eine meiner Töchter gestorben ist. Wäre das nicht geschehen – ich hätte mich wohl niemals dazu entschlossen, selbstständig als Trauerrednerin zu arbeiten.

Aus dem Schmerz des Verlustes kann Neues entstehen

Was ich dir damit sagen will? Ich will dir sagen, dass aus dem Schmerz über den Verlust, den du durchlebst und durchleidest, Neues entstehen kann. Die Schicht aus abgestorbenen Blättern, sie kann auch in deinem Leben die Grundlage bilden für frische, junge Triebe.

Wenn du den Impuls verspürst, dich mit deiner Kompetenz (zu wissen, wie Trauer sich anfühlt) für Trauernde engagieren zu wollen, dann schaue zunächst einmal:

  1. Bin ich wirklich durch den Schmerz hindurch gegangen?
  2. Habe ich den Verlust ausreichend betrauert?
  3. Ist es mir gelungen, die Trauer in mein Leben zu integrieren (heißt, sie ist nicht mehr die alles bestimmende Kraft, aber auch nicht aus deinem Leben verbannt)?

Für Trauernde engagieren?

Kannst du diese drei Fragen für dich mit Ja beantworten, dann ist es vielleicht an der Zeit, anderen dabei zu helfen, mit einem schweren Verlust zurechtkommen: in einer Pflegeeinrichtung, als Ehrenamtliche:r im Hospiz, in der Trauerbegleitung oder vielleicht auch als Trauerredner:in.

Nicht alles im Leben läuft nach Plan, möglicherweise aber ist genau das der Plan.

Ich wünsche dir von Herzen eine humusreiche Woche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Der Gedanke an den Tod ist immer heilsam, er tötet nicht, wie man annehmen möchte, er weckt.“ (Jakob Boßhart)