Ich lebe innerhalb Deutschlands so weit im Norden, dass ich immer wieder Seebestattungen begleite. Die Schiffe für diese besonderen Abschiede legen an der Nord- oder Ostsee ab, von Orten wie Harlesiel, Travemünde oder Sylt.
Es gibt Bestattungsinstitute, die sich auf Seebestattungen spezialisiert haben. Mit einigen von ihnen habe ich bereits mehrfach zusammengearbeitet. Der erste Kontakt im Sterbefall unterscheidet sich dabei kaum von dem einer Abschiedsfeier an Land.
Und doch ist eine Seebestattung etwas Eigenes.
Sie folgt ihren eigenen Abläufen.
Und sie berührt auf eine besondere Weise.
Am kommenden Sonntag werde ich wieder eine Seebestattung begleiten. Mitte März bereits die nächste. Deshalb nehme ich dich heute ein Stück mit in meine Seebestattungswelt.
Eine Abschiedsfeier nur für einen Menschen
Die Seebestattungstouren, an denen ich teilnehme, gelten jeweils nur einer verstorbenen Person und einer Familie. Die Feier des Lebens dieses Menschen findet an Bord des Schiffes statt. Es gibt keine Parallelfeiern, keine Überschneidungen, keinen Zeitdruck.
Häufig fahre ich von Bremerhaven aus mit. Je nach Tide ist das Schiff rund anderthalb Stunden unterwegs, bis es die sogenannte Beisetzungsposition erreicht. Jede Urne hat einen exakt festgelegten Punkt, an dem sie dem Meer übergeben wird.
Dieser Weg hinaus aufs Wasser ist bereits Teil des Abschieds.
Mein Part an Bord
Mein Beitrag beginnt in der Regel unter Deck. Je nach Länge dessen, wofür ich zuständig bin, starte ich etwa eine halbe Stunde vor dem Erreichen der Beisetzungsposition. Alles geschieht in enger Absprache mit dem Kapitän, der mir rechtzeitig Bescheid gibt, wann der Moment gekommen ist.
Auf den Schiffen besteht die Möglichkeit, Musik abzuspielen. Je nach technischer Ausstattung wird dafür ein USB-Stick, eine CD oder ein Handy benötigt. Das bringen meist die Angehörigen mit. Wichtig ist, alles vorab zu testen, damit es während der Abschiedsfeier reibungslos funktioniert.
Trauergespräch und Trauerrede wie an Land – und doch anders
Der Kontakt mit den Angehörigen gestaltet sich für mich genauso wie bei jeder anderen Trauerfeier. Nach der Terminabsprache erhalte ich vom Bestattungsinstitut eine Sterbefallanzeige. Ich nehme Kontakt zur Familie auf, führe das Trauergespräch und mache mir währenddessen meine Notizen.
Auch die Trauerrede unterscheidet sich in ihrer Entstehung nicht von anderen Reden. Oft zeigt sich jedoch ein besonderer Bezug zum Wasser, zum Meer oder zur Weite. Dieser fließt dann in die Worte ein und bekommt Raum.
Der Ablauf an Bord ist insgesamt etwas kürzer als bei einer Trauerfeier in einer Kapelle. Am Ende meines Teils übergebe ich an den Kapitän.
Das Ritual der Seebestattung
Der Kapitän leitet das eigentliche Seebestattungsritual. Er bittet die Familie und die Gäste nach draußen an Deck und führt die Beisetzung durch. Manche Kapitäne tun dies sehr formal, andere auf persönliche Weise.
Nachdem die Seeurne dem Wasser übergeben wurde, sinkt sie rasch hinab, damit sie nicht in Fischernetze gerät. Anschließend fährt das Schiff in größer werdenden Kreisen um die Stelle der Beisetzung.
Viele Angehörige werfen Blumen hinterher.
Die meisten bleiben still an Deck stehen.
Bis das Schiff nach einem deutlichen Signal wieder Kurs Richtung Hafen nimmt.
Als ich zum ersten Mal bei einer Seebestattung dabei war, hat mich dieses spiralförmige Umkreisen der Urne besonders berührt. Ein Ritual, das seine eigene Wirkung entfaltet und nicht spurlos an den Menschen vorübergeht.
Ein Abschied bei Wind und Weite
Am kommenden Sonntag wird es auf See sehr kalt sein. Gestern hatten wir minus sieben Grad. Und doch weiß ich schon jetzt: Es wird ein besonderer Abschied werden. Still. Weit. Und getragen von einem Ritual, das dem Meer Raum lässt.
Ich bin dankbar, dabei sein zu dürfen.
Wenn du Fragen zu einer Seebestattung hast, melde dich gern. Und nach diesem Abschied werde ich noch einmal berichten.
Ich wünsche dir von Herzen einen guten Mittwoch.
Deine Katharina