Nicht nur draußen tobt der Sturm. Manchmal scheint es, als würde er sich auch durch das Leben ziehen.
Auf einer Fahrt nach Goslar und zurück, anlässlich einer Familienfeier, wurde mir das wieder sehr deutlich. Sturm, unruhige Straßen, Autos, die ins Schlingern gerieten, unerwartete Umleitungen. Man ahnt schnell, was dahintersteckt: Unfälle. Und manchmal auch Todesfälle.
Dass ein Jahr mit stürmischem Wetter beginnt, ist das eine.
Dass ein Jahr, das verheißungsvoll starten sollte, gleich mit Abschieden beginnt, ist etwas anderes.

Feiertage verschieben die Arbeit – sie nehmen sie nicht weg

In diesem Jahr lagen Weihnachten, Silvester und Neujahr so, dass es nur wenige Werktage dazwischen gab. Für mich bedeutete das zunächst: vergleichsweise wenige Trauerfeiern direkt vor den Feiertagen, zwischen den Jahren und auch kurz danach. Auch die Anfragen der Bestattungsinstitute hielten sich in Grenzen.
Doch das heißt nicht, dass niemand gestorben ist.
Es heißt nur, dass sich die Arbeit im Bestattungswesen und in allen angrenzenden Berufen verschiebt. Sie staut sich. Und sie kommt mit Wucht, sobald der Alltag wieder anläuft.
Heute werden die ersten Anfragen eingehen. Ab Montag wird das Telefon kaum stillstehen. Der Sturm draußen trägt seinen Teil dazu bei.

Stürmische Zeiten also – auch beruflich.

Kein 9-to-5-Job, sondern ein Beruf mit Wellenbewegung

Wer als Trauerredner:in arbeitet oder diesen Weg in Erwägung zieht, sollte eines wissen: Diese Arbeit verteilt sich nicht gleichmäßig. Es gibt keine festen Arbeitszeiten, keine klare Trennung zwischen Dienst und Freizeit, keinen Kalender, auf den zu 100 Prozent Verlass ist.
Es gibt Phasen, in denen sehr viel zu tun ist.
Und es gibt andere, in denen man um jeden Auftrag ringt.
Gerade am Anfang gehört das dazu. Auch ich habe so begonnen. Ich erinnere mich gut an diese Zeit, in der ich mich ehrlich freute, wenn das Telefon klingelte und eine Bestatterin oder ein Bestatter am anderen Ende der Leitung war.

Heute ist es anders. Heute sind es Monat für Monat so viele Anfragen, dass ich längst nicht alle annehmen kann. Doch das ist kein Selbstläufer. Es ist gewachsen. Langsam. Über Jahre.

Eine Kinderfrage, die alles auf den Punkt bringt

Meine jüngste Tochter war damals acht Jahre alt, als sie einmal zu mir sagte: „Mama, du freust dich immer, wenn jemand gestorben ist!“
Ich habe ihr geantwortet: „Ich freue mich nicht, weil diese Person gestorben ist. Gestorben wäre sie sowieso. Ich freue mich nur, wenn ich gefragt werde, ob ich die Rede zum Abschied halten darf.“

Dieser Satz beschreibt sehr gut, worum es in diesem Beruf geht. Nicht um den Tod an sich. Sondern um die Begleitung. Darum, da zu sein, wenn jemand einen geliebten Menschen verloren hat.

Durch stürmische Zeiten hindurch begleiten

Gerade am Jahresanfang brauchen Menschen diesen Halt. Orientierung. Jemanden, der sie durch das Chaos der ersten Tage trägt. Der zuhört, ordnet, Worte findet, wo es anderen die Sprache verschlagen hat.
Das bedeutet manchmal, das Eigene zurückzustellen. Nicht auf die Uhr zu schauen. Nicht zu fragen, ob es gerade „passt“.

Das gehört zum Berufsbild einer Trauerrednerin, eines Trauerredners.

Es ist kein Beruf für Menschen, die klare Grenzen zwischen Arbeit und Leben brauchen. Aber ein Beruf für diejenigen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn andere sie dringend benötigen.

Wenn du Ja sagst, bist du dafür gemacht

Wer innerlich Ja dazu sagt, durch stürmische Zeiten zu begleiten – am Jahresanfang oder wann immer sie auftreten –, der bringt etwas Wesentliches mit.
Nicht jede Technik lässt sich lernen, nicht jede Haltung ermitteln. Aber die Bereitschaft, da zu sein, wenn es schwierig wird, die ist entscheidend.

Wenn du dieses Ja in dir spürst, dann bist du vielleicht genau dafür gemacht.

Ich wünsche dir ein neues Jahr voller Zuversicht, einen festen Tritt in stürmischen Zeiten und Menschen an deiner Seite, die dich tragen, wenn der Wind stärker wird.

Deine Katharina