Kreise bis nach Hamburg ziehen: Unterwegs als Trauerrednerin in der Adventszeit
Während du diese Zeilen liest, bin ich vermutlich schon unterwegs. Vielleicht rolle ich gerade über die Autobahn Richtung Hamburg, vielleicht habe ich mein Ziel bereits erreicht. Mein Plan für diesen Tag sah jedenfalls vor, sehr früh aufzubrechen. Vor Tau und Tag, wie man so schön sagt.
Nicht aus Abenteuerlust, sondern aus einem ganz einfachen Grund:
Ich möchte auf keinen Fall zu spät zu einer Trauerfeier kommen.
Pünktlichkeit ist kein Detail, sondern Haltung
Wer als Trauerrednerin arbeitet, weiß, wie sensibel die Zeit rund um eine Abschiedsfeier ist. Hinterbliebene warten, Bestattungsinstitute sind vorbereitet, Gäste haben sich auf den Weg gemacht. Pünktlichkeit ist hier kein organisatorisches Detail, sondern Ausdruck von Respekt.
Also plane ich großzügig. Genug Zeit für den Hamburger Morgenverkehr, genug Zeit für die Parkplatzsuche, genug Zeit, um rechtzeitig im Bestattungsinstitut anzukommen und innerlich anzukommen, bevor es losgeht.
Aus genau diesem Grund habe ich mich heute auch gegen die Bahn entschieden. Sicher ist sicher.
Warum ich nach Hamburg fahre
Wie kommt es, dass ich für eine Trauerfeier bis nach Hamburg fahre?
Zum einen, weil meine Kreise mit den Jahren ganz natürlich größer geworden sind. Zum anderen, weil ich diese Familie bereits kenne. Ich durfte für diese Familie in Bremen schon zwei Abschiede begleiten. Nun stand ein weiterer an, und die Frage lautete, ob ich ausnahmsweise auch nach Hamburg kommen würde.
Ich habe Ja gesagt.
Auch wenn es weit ist.
Auch wenn es sich rein rechnerisch, inklusive Fahrzeit und Fahrtkosten, kaum lohnt.
Aber die Begleitung Trauernder lässt sich nicht in Kilometerpauschalen messen.
Vertrauen statt Zufall
Der eigentliche Grund für diese Reise liegt woanders. Die Familie wollte niemanden Unbekannten. Sie wollte keine Entscheidung „ins Blaue hinein“. Keine Suche im Internet, kein Stochern im Nebel in einer Situation, in der jedes Detail stimmen soll.
Gerade bei einer Abschiedsfeier ist Vertrauen zentral. Wenn Musik, Worte und Ablauf ineinandergreifen sollen, wenn es um Feinheiten geht, um Zwischentöne, um Haltung, dann ist es für viele Familien beruhigend, auf jemanden zurückzugreifen, den sie bereits erlebt haben.
Deshalb tragen sie neben meinem Honorar auch die Fahrtkosten. Nicht, weil es ihnen egal wäre, sondern weil ihnen diese Sicherheit wichtiger ist als alles andere.
Ein besonderer Ort für einen besonderen Abschied
Heute lerne ich dabei auch ein neues Bestattungsinstitut kennen: das Hamburg Leuchtfeuer Lotsenhaus. Ein Ort, an dem wir mit viel Musik und sehr persönlich gewählten Worten Abschied nehmen werden. Die Musikstücke hat die verstorbene Dame selbst ausgesucht.
Nichts dem Zufall überlassen.
Auch das ist eine Form der Vorsorge, die ich immer wieder erlebe und sehr schätze.
Advent, Arbeit und Wirklichkeit
Diese Trauerfeier bildet den Auftakt zur letzten vollständigen Adventswoche, bevor Weihnachten anklopft. Eine arbeitsreiche Zeit, die durch meine kürzliche Krankheitsphase nicht gerade entspannter geworden ist.
Als selbstständige Trauerrednerin gibt es keinen Puffer, keine automatische Entlastung. Termine verschieben sich nicht einfach, Arbeit sammelt sich. Umso wichtiger ist es, bewusst durch diese Tage zu gehen, Schritt für Schritt.
Ein Wunsch zum Schluss
Während ich unterwegs bin, hoffe ich, dass du auf der anderen Seite dieser Zeilen etwas ruhiger durch diese Adventswoche gehst als ich. Vielleicht sind die Geschenke schon besorgt, das Essen geplant, der Kalender nicht ganz so voll.
Ich wünsche dir genau das:
eine ruhige Adventswoche,
ein bisschen Gelassenheit im Trubel
und das gute Gefühl, dass nicht alles perfekt sein muss, um stimmig zu sein.
Alles Liebe,
deine Katharina