Um mich herum wird über vieles gesprochen. Ein Thema aber zieht sich in den letzten Wochen durch die Gespräche. Es geht darum, wie schnell das Jahr vergangen sei, wie viele Veränderungen es mit sich gebracht habe und dass es ein Jahr des Umbruchs gewesen sei. Menschen erzählen, was in ihrem Leben alles anders geworden sei, die Arbeit, die Gesundheit, die Lebensumstände. Bei etlichen ist es sogar alles auf einmal. So als hätten die vergangenen zwölf Monate einen unsichtbaren Beschleuniger in sich getragen, der gleichzeitig die Kraft hatte, alles kräftig durcheinander zu wirbeln.


Zu den heftigen Umbrüchen des Lebens zählen Abschiede: Abschied vom Arbeitsleben, Abschied von einem leistungsfähigen Körper, Abschied von Menschen, die im eigenen Leben eine zentrale Rolle gespielt haben. Abschiede, so sehr sie zum Leben dazugehören, gehen mit heftigen Emotionen einher, mit Gefühlen teils ungeahnten Ausmaßes. Bist du selbst davon betroffen, merkst du, dass nur wenige in deinem Umfeld Verständnis für dich aufbringen. Wer selbst nicht weiß und nicht am eigenen Leibe erfahren hat, was dich beschäftigt, kann innerlich nicht mitgehen, nicht mitfühlen, nicht mitleiden. Und das verstärkt das Gefühl, nicht mehr von dieser Welt zu sein.

Im Advent, wenn es mit großen Schritten auf Weihnachten zugeht, kommst du dir erst recht so vor wie nicht von dieser Welt. Das Treiben ringsherum, all diese Oberflächlichkeiten, die Jagd nach Geschenken, die blinde Kaufwut, all das erzeugt Befremden, Trauer, Einsamkeit.

In den Tiefen aber schlummert in uns allen der Keim des Nicht-von-dieser-Welt-Seins. Denn da kommen wir her und da gehen wir hin. Was auch immer war, bevor wir waren, was auch immer sein wird, nachdem wir nicht mehr sein werden – es ist definitiv nicht von dieser Welt. Wir können versuchen, diese Tatsache zu ignorieren, wir können so leben, als ob die Welt um uns herum alles wäre. Es wird uns niemals für immer gelingen. Und diejenigen, die es jetzt schon – teils schmerzvoll – erfahren, sind mehr bei sich, als andere es je sein werden. Sie atmen ein Stück vom Himmel.

Nicht von dieser Welt zu sein tut manchmal sehr, sehr weh. Aber es bringt dich hin zu deinen Ursprüngen und bereitet dich vor auf das, was dich erwartet. Und nichts anderes ist der Advent: Zeit der Erwartung. Deswegen weißt du gar nicht, wie richtig du liegst, wenn du das Gefühl hast, nicht von dieser Welt zu sein.

Heilsame und wohltuende letzte Adventsschritte wünsche ich dir, 


deine Katharina