Als mein Vater im Dezember 2018 beerdigt wurde, kamen jede Menge Leute, um sich von ihm zu verabschieden. Die Trauerfeier fand in der Kirche statt, die Beisetzung auf dem Friedhof und für die Zeit danach hatten meine Geschwister und ich zur Kaffeetafel geladen. Wir wollten den Trauergästen die Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen, und ihnen – by the way – auf diese Weise danken, dass sie eigens den teils weiten Weg auf sich genommen hatten.

Es war ein heilsames Zusammensein, das ich in guter Erinnerung behalten werde. Mir wurde aber auch bewusst, wie kostbar diese Stunden des Beisammenseins waren, denn ich fragte mich, welche der Menschen ich in meinem weiteren Leben noch einmal wiedersehen würde. Etliche der Paare und Einzelpersonen, die im Leben meines Vaters eine Rolle gespielt hatten, waren Wegbegleiter:innen meiner Eltern über Jahrzehnte gewesen. Meine Geschwister und ich kannten sie, seit wir Kinder waren, und auch im Erwachsenenalter kreuzten sich unsere Wege immer mal wieder zu besonderen Anlässen. Jetzt würde es keine Anlässe mehr geben…

Kurz: Mir tat die Kaffeetafel gut. Aber ich weiß, dass es Trauernde gibt, die das anders sehen.

Gehörte früher die Kaffeetafel (oder der Leichenschmaus oder der Brauch „das Fell zu versaufen“) zu einer Beerdigung dazu, entscheiden die Angehörigen heute immer häufiger, auf ein gemütliches Beisammensein zu verzichten. Während der Pandemie war es nicht erlaubt, das kam dazu. Aber auch jenseits dessen haben Menschen gute Gründe, auf die übliche Zusammenkunft mit Schnittchen und Kaffee und Kuchen zu verzichten.

Wenn ich Angehörige dazu befrage, sagen sie häufig, sie könnten nicht so schnell umschalten von tiefer Traurigkeit zu zwanglosem Miteinander. Sie wollen kein Lachen und keine Ungezwungenheit, es komme ihnen in der Situation falsch vor. Ihnen sei auch der Trubel, den so viele Leute verursachen, zu viel. Ihnen tue es besser, mit sich und ihrer Trauer allein zu sein.

Auch das eine Einstellung, die respektiert werden muss.

Fakt ist: es gibt kein Richtig und kein Falsch. Wie Angehörige entscheiden, hängt von ihrer persönlichen Verfassung ab und davon, was ihnen in dem Moment angemessen zu sein scheint. Sich im Anschluss an die Beisetzung zur Kaffeetafel zu treffen oder auch nicht zu treffen – beides kann passend sein und hilfreich und tröstlich.

Wie geht es dir damit? Was ist dein persönlicher Weg in der Situation des Abschieds? Schreib mir gerne, wie du über das Thema denkst.

Ich wünsche dir von Herzen eine beziehungsreiche Woche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Die richtige Art, um die Toten zu trauern, besteht darin, für die Lebenden zu sorgen, die zu ihnen gehören.“ (Edmund Burke)