Stirbt ein Mensch aus deinem nächsten Umfeld, löst dieser Verlust erst einmal starke Trauer bei dir aus. Deine Trauer ist eine natürliche Reaktion auf den Abschied, der mit dem Tod verbunden ist. Die meisten, vielleicht auch du, tun das Naheliegende: sie weinen.

Tod löst aber neben der Trauer auch eine ganze Reihe anderer Emotionen aus. Eine davon ist Wut. Ja, du hörst richtig, Wut! Es gibt unzählige Gründe dafür, warum du wütend sein könntest, weil jemand aus deiner Familie oder aus deinem Freundeskreis gestorben ist.

  • Du findest es unfair, dass dein lieber Mensch so jung sterben musste, und bist wütend auf die Welt, auf Gott, auf das Universum, weil sie dir so etwas antun.
  • Du fühlst dich alleingelassen und bist wütend auf die verstorbene Person, weil sie dich mit all dem Schlamassel zurückgelassen hat.
  • Du merkst, dass nichts bezüglich eines Todesfalls geregelt ist, und bist wütend auf dich selbst, weil du nicht darauf bestanden hast, das endlich in Angriff zu nehmen.
  • Du weißt, dass der/die Sterbende durch ihren Lebenswandel kräftig zu ihrem/seinem Tod beigetragen hat, und bist deswegen wütend auf diese Person.
  • Du bist wütend auf was auch immer, weil du dir nicht eingestehen kannst, dass du eigentlich wütend auf den Menschen bist, der dich im Stich gelassen hat.

Wut ist ein deutlich unterschätztes Gefühl in, mit und neben der Trauer. Es ist ungemein wichtig, sich bewusst zu machen, dass sie eine heilsame Kraft hat.

Ein anderes Wort für Wut ist Aggression. Das Wort Aggression kommt von dem lateinischen Wort aggredere, was zwar unter anderem „angreifen“ heißt, aber auch so etwas wie „näherkommen“, „sich vorwärts bewegen“, „voranschreiten“. In deiner Wut steckt also immer gleichzeitig eine nach vorne ausgerichtete, voranschreitende Kraft. Das ist die Kraft ist, die dich leben, weiterleben lässt.

Sei also, um Himmels willen, nein, um deiner selbst willen, nicht nur traurig, sondern auch wütend. Deine Wut wird dich retten.

Ich wünsche dir von Herzen eine wütende Woche von Mittwoch zu Mittwoch,

deine Katharina

Zitat der Woche: „Trauer in Worte fassen…, wie? ‚Zu wissen, wie es hätte sein können, aber nicht war.‘“ (Unbekannt)

 

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